Die 1963 geborene Mechthild Ehmann hat zunächst Steinmetz gelernt. Ihr Material sind heute jedoch Mineralien und Gesteinsarten, die auch zur Schmuckherstellung verwendet, wegen ihres geringeren Härtegrades jedoch nicht zu den Edelsteinen gezählt werden wie Sodalit oder Quarze. Aber auch besonders schöne Marmorarten wie rosiger indischer oder schneeweißer Carrara-Marmor gehören zu ihren bevorzugten Werkstoffen. Da sie aus dem Handwerk kommt und mit dem Presslufthammer aus Riesenblöcken ein Werkstück herausholt, was man der eher zierlichen Person nicht so ohne weiteres zutrauen würde, hat sie gelernt, aus den Gesteinen heraus zu lesen, was in ihnen steckt. Als Bildhauerin, die an der Stuttgarter Akademie studiert hat, lernte sie, dass sie das reiche Innenleben der Steine quasi „befreien“ muss, um zu ihrem Kern vorzudringen. Sie formt abstrakte Skulpturen, die oft aus Kontrasten leben: ihr äußerer Kontur wird von roher Bosse bestimmt, ihr innerer Kern ist in unzähligen Arbeitsgängen feinstpoliert. Oder es sind zweiteilige Arbeiten, die in einem körperhaften Dialog zueinander stehen wie „Relationship Blues“ aus blaugrauem Sodalit oder geschwungene Naturformen wie die liegende aufgeplatzte „Frucht“ aus indischem Marmor. Eine Eigenheit haben sie alle und diese ist Ehmanns spezifische Erfindung: sie stehen oder liegen nur auf einer kleinen Stelle, die konvex am Fuß geschliffen ist. So sind sie beweglich und zwar so leicht, dass es erstaunt und bezaubert zugleich. „Mir ist das Glücksgefühl wichtig, das der Betrachter beim Anfassen meiner Skulpturen empfindet“, sagt sie dazu.
geboren 1963. • Steinmetz-Lehre • Studium der Bildhauerei, Stuttgart